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Bürger aus Bahnsdorf wehren sich gegen die Abstempelung ihrer Ortschaft

22.11.2007 Lausitzer Rundschau
«Aber wir leben doch auch hier»

Eigentlich hatte sich Bürgermeisterin Simone Abt in die politische Diskussion zum geplanten Umzug der Asylbewerber aus Sedlitz nach Bahnsdorf gar nicht einmischen wollen. Doch dann fielen in der öffentlichen Debatte Begriffe, die viele Bahnsdorfer Einwohner mächtig auf die Palme brachten. «Es darf nicht sein, dass Bahnsdorf so abgestempelt wird. Dagegen müssen wir uns einfach wehren» , sagt die ehrenamtliche Ortsbürgermeisterin.

Als im Zusammenhang mit den Protesten der Sedlitzer Asylbewerber gegen den vorübergehenden Umzug nach Bahnsdorf (RUNDSCHAU berichtete) solche Worte wie «menschenunwürdig» , «Dschungelcamp» und sogar «Hölle» fielen, ging nicht nur den Gemeindevertretern der Gemeinde Neuseeland, zu der Bahnsdorf gehört, der Hut hoch. «Mich haben Bürger auf der Straße angesprochen, dass man das nicht so stehen lassen könne» , erklärt Simone Abt. Was als unzumutbar für die Asylbewerber bezeichnet wird – die Abgeschiedenheit – seien schließlich auch Lebensbedingungen für die Bahnsdorfer selbst. «Wir leben doch auch hier. Und wir müssen ebenso damit klarkommen, dass es keinen Kindergarten, keine Schule, keinen Arzt, keine Bank und keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt» , formuliert Simone Abt die Befindlichkeiten. Auch unter den Dorfbewohnern gebe es genügend ältere Menschen oder Hartz IV-Empfänger, die ihren Alltag mit Hilfe der öffentlichen Verkehrsmittel, mit Bus und Bahn organisieren müssten. «So, wie es den Asylbewerbern auch zugemutet wird.» Als das Flüchtlingsheim im Jahr 1992 auf dem Areal einer ehemaligen Funker einheit der Sowjetarmee im Wald bei Bahnsdorf eröffnet wurde und anfangs stets massiv überbelegt war, habe es damals nicht nur Begeisterung unter den Einwohnern gegeben. «Aber heute haben wir uns mit dem Heim arrangiert. Es gibt jahrelange, gute Kontakte zu einigen Familien. Man kennt sich im Dorf und grüßt sich. Einige der ausländischen Bürger sind in unseren Vereinen aktiv. Wir haben ehrenamtlich die Kinderbetreuung im Heim organisiert, gestalten Kulturveranstaltungen zur Woche des ausländischen Mitbürgers und laden im Advent regelmäßig zum Weihnachtsbasteln ein» , erzählt Helga Lache.

«Hölle» nicht nachvollziehbar

Die einstige Kindergärtnerin, die bis zur Schließung der kommunalen Kita im Jahr 2000 stets mehr Kinder von Flüchtlingsfamilien als deutsche Kinder in den Gruppen hatte, wirkt heute immer noch ehrenamtlich im Asylbewerberheim mit. «Dass es dort die ,Hölle’ sein soll, kann ich nicht nachvollziehen» , sagt sie. Im Gegenteil: Die Ausstattung der Zimmer und die Möglichkeit, dass Familien in separaten Wohneinheiten (des ehemaligen Offizierswohnhauses) leben könnten, sei sogar besser als bisher im Sedlitzer Heim. Dessen Bewohner hatten sich Anfang November jedoch massiv gegen eine vorübergehende Unterbringung in Bahnsdorf für die Zeit der Sanierungsarbeiten am Asylbewerberheim Sedlitz gewehrt.

Lage im Wald nicht optimal

Freilich sei die Lage des Bahnsdorfer Heimes im Wald nicht optimal. Um zur Bahnstation zu kommen und die Züge nach Senftenberg oder Cottbus nutzen zu können, seien 20 Minuten Fußweg vonnöten. Das räumen Bürgermeisterin Simone Abt und ihre Stellvertreterin Frauke Stenzel auch ein. «Aber die ruhige, ländliche Atmosphäre birgt doch nicht nur Nachteile für die Flüchtlinge» , sagen sie. Bestimmte Konflikte gebe es gar nicht. Stattdessen haben sich in den Nachbardörfern Ressen und Lindchen sogar Bauern darauf eingestellt, extra für die Asylbewerber und deren spezielle Küche Schafe und Ziegen zu züchten. «Wir wollen das alles nur in einen richtigen Kontext gerückt sehen» , sagt die Bahnsdorfer Bürgermeisterin. «Denn es kann nicht sein, dass Bahnsdorf zum Unwort des Jahres wird.» Hintergrund Warum sollen die Asylbewerber umziehen? # Der Landkreis OSL entschied im März, künftig nur noch ein Asylbewerberheim statt zwei zu betreiben: Sedlitz soll für 1,37 Millionen Euro ausgebaut und saniert werden, Bahnsdorf soll Mitte 2009 geschlossen werden. Für die Zeit der Bauarbeiten ist die Unterbringung der 40 Sedlitzer Asylbewerber in Bahnsdorf geplant. # Argumente des Landkreises: – Der Leerzug des Sedlitzer Gebäudes ist für die umfangreichen Bauarbeiten nötig; Bauzeit: 18 Monate, der Umzug soll am 30. November stattfinden. – Frauen mit Kindern und ältere Asylbewerber werden in Wohnungen untergebracht. – Mitte November bestätigte das Landesamt für Soziales nach einer Begehung, dass im Asylbewerberheim Bahnsdorf die Mindeststandards für Gemeinschaftsunterkünfte erfüllt sind. – Von 47 Personen, die im September im Asylbewerberheim Sedlitz gemeldet waren, waren zehn Personen immer anwesend, 18 Personen zirka vier bis 12 Tage im Monat und 19 Personen nur sporadisch (maximal drei Tage im Monat) anwesend. Die Anmietung von Wohnraum für die Asylbewerber ist vor diesem Hintergrund unverhältnismäßig. # Die Klage: Zwölf Asylbewerber des Sedlitzer Heimes klagen mit der Unterstützung des Flüchtlingsrates Brandenburg am Verwaltungsgericht Cottbus gegen den Umzug ins «Dschungelheim» Bahnsdorf. Nach Aussage des Vorsitzenden Richters Matthias Vogt werden die Klagen im Eilverfahren bis zum 30. November entschieden.

Von Catrin Würz

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