Von der Unterbringung geflüchteter Menschen zum Guten Wohnen für Alle

Good und Bad Practices – zwischen neuen Ansätzen ‚Guten Wohnens für Alle‘ und herkömmlicher Sammelunterbringung

Wie können Wohn- und Unterbringungsformen gestaltet werden, die Teilhabe, Selbstbestimmung und ein gutes Zusammenleben ermöglichen? Die vorliegende Sammlung dokumentiert „Good und Bad Practices“ zwischen innovativen Ansätzen eines Guten Wohnens für Alle und herkömmlichen Formen der Sammelunterbringung.

Die Sammlung entstand im Rahmen des Projekts „Verbesserung der Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende, Schutzberechtigte und vorübergehend Schutzberechtigte in Brandenburg“ (VASiB) der Kooperation für Flüchtlinge in Brandenburg (KFB). Sie bündelt Erfahrungen, Analysen und Beispiele aus Brandenburg und macht aktuelle Entwicklungen im Bereich Wohnen und Unterbringung sichtbar.

Grundlage sind ein fortlaufendes Monitoring wohnungs- und unterbringungspolitischer Entwicklungen seit November 2024 sowie die Erkenntnisse aus mehreren Jahren Projektarbeit. Dazu gehören die Ergebnisse der aufsuchenden Outreach-Arbeit von Multiplikator:innen mit eigener Kontexterfahrung in Brandenburger Gemeinschaftsunterkünften sowie eine Zusammenstellung über aktuelle Herausforderungen im Bereich Unterbringung /Wohnen und diesbezügliche Handlungsempfehlungen der Strategiegruppe Wohnen.

Ergänzt wird die Sammlung durch eine kurzen Einblick in die Prozesse selbstverwalteter Hausprojekte von und mit geflüchteten Menschen in Brandenburg. Diese zeigen in der Praxis konkrete Wege auf, wie Wohnen jenseits von Sammelunterbringung gestaltet werden kann.

Weiterführende Informationen zu den Projekten und Aktivitäten der KFB finden sich hier.

 

Die Ergebnisse der Projektarbeit im Überblick:

 

Medienmonitoring: Unterbringungspolitik und Wohnraumversorgung in Brandenburg (ab 11/2024)

Das kontinuierliche Medienmonitoring zur Unterbringung geflüchteter Menschen in Brandenburg wurde seit November 2024 durchgeführt. Der dafür angelegt Pressespiegel umfasst lokale bis überregionale Medien, um umfänglich die Berichterstattung zu geführten Debatten (z.B. zu Unterbringungskapazitäten), zivilgesellschaftlichen Reaktionen und politischen Entscheidungen, wie Planungsstände von Unterkünften (Neubau/Schließung) abzubilden. Das Monitoring ermöglicht so die Nachverfolgung regionaler Entwicklungen sowie gesellschaftlicher Kontroversen.

Der Pressespiegel zur brandenburgischen Unterbringungspolitik seit Nov. 2024 ist im folgenden nach Landkreisen aufgeschlüsselt:

Cottbus
Oberhavel
Potsdam
Prignitz
  •  
Spree-Neiße
  •  

 

 

Strategiegruppe Wohnen

Als Brandenburg weite Plattform bietet die ‚Strategiegruppe Wohnen‘ Vertreter:innen von Beratungsstellen, Initiativen, Vereinen, Selbstorganisationen, der Wissenschaft, der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft einen regelmäßigen Raum für Dialog und Vernetzung. Regelmäßige Treffen ermöglichen den Austausch über aktuelle Problemlagen im Bereich ‚Wohnen/Unterbringung‘, aber auch über Good&Best Practices in einzelnen Kommunen sowie die gemeinsame Entwicklung von Handlungsstrategien im Bereich Wohnraumversorgung. Ziel und Kernforderung der Strategiegruppe Wohnen ist es Schutzsuchende dezentral in Wohnungen unterzubringen und das Prinzip der Massenunterbringung zu beenden.

Der Erfahrungsaustausch in den bis dato durchgeführten Sitzungen verdeutlicht immer wieder: Die Problemlagen hinsichtlich der Unterbringung und Wohnraumversorgung für geflüchtete Menschen sind vielfältig, häufig miteinander verwoben und betreffen unterschiedliche Ebenen. Beispielsweise:

Mangelnde Effizienz: Fehlende landesweite Stakeholder-Übersicht für klare Zuständigkeiten und direkte Ansprache, keine abgestimmten Abläufe, um schnell auf Wohnungsangebote zu reagieren.

Rechtliche Defizite: Eingriffe in Grundrechte innerhalb von Gemeinschaftsunterkünften sowie fehlende unabhängige Beschwerdestellen.

Strukturelle Hürden: Allgemeiner Wohnraummangel, unverhältnismäßig hohe Gebühren und fehlende landesweite Standards und Angebote für das Auszugsmanagement.

• Rassismus: Geflüchtete werden seitens der vermietenden Parteien immer wieder strukturell benachteiligt.

Politisch-gesellschaftliche Nachrangigkeit: Keine ausreichende Wahrnehmung des Problems und Anerkennung des Handlungsbedarfs.

Fehlendes Empowerment: Geflüchtete werden unzureichend über ihre Rechte informiert und darin gestärkt.

Die Handlungsempfehlung der ‚Strategiegruppe Wohnen‘ vom März 2026 greift die zentralen Themen der vorangeganen Sitzungen auf und formuliert klare politische Forderungen für alle Ebenen – vom Land bis zur Kommune.

Bitte wenden Sie sich bei Interesse an einer Teilnahme oder für weitere Informationen an info [@] fluechtlingsrat-brandenburg.de

Multiplikator:innen-Outreach

Im Rahmen des Projektes besuchten ausgebildete Multiplikator:innen mit eigener Kontexterfahrung über zwei Jahre hinweg regelmäßig Sammelunterkünfte in Brandenburg. Ziel der aufsuchenden Arbeit war es, geflüchtete Menschen proaktiv über ihre Rechte im Kontext der Unterbringung zu informieren sowie aktuelle Problemlagen und Lebensbedingungen in den Unterkünften zu dokumentieren. Während ihrer Besuche vor Ort verteilten sie zusätzlich mehrsprachige Informationsmaterialien und verwiesen bei Bedarf an entsprechende Fachberatungsstellen.

Ihr Abschlussbericht zeigt beträchtliche strukturelle Problemlagen auf. Und ihre Erfahrungen verdeutlichen einmal mehr, dass die dezentrale Unterbringung in privatem Wohnraum zwingend für menschenwürdiges Wohnen und für eine gelingende gesellschaftliche Teilhabe sind.

 

Hausprojekte – Wohnraumversorgung von unten

Da Geflüchteten der Zugang zu Wohnraum durch vielfältige Hürden versagt wird (s.auch Strategiegruppe Wohnen), sind inklusive Alternativen dringend nötig. Vermehrt kann beobachtet werden, wie geflüchtete Menschen oder solidarische Zusammenschlüsse eigene, selbstorganisierte Wohnräume in Brandenburg gestalten – als Ausdruck von Widerstand, Selbstbestimmung und/oder solidarischer Vernetzung. Übergeordnet bleibt dabei die Frage zu klären, wie diese einzelnen ‚alternativen Wohnpraxislabore‘ zu einer breiter aufgestellten wohnungspolitischen Praxis zusammengeführt werden können, die geflüchteten Menschen bei der Wohnraumversorgung Raum für aktive Mitgestaltung einräumt.

Im Laufe der Projektlaufzeit haben den Flüchtlingsrat Berichte von Mietshäusersyndikaten (MHS) in Brandenburg erreicht, die in ihren eigenen Strukturen geflüchtete Menschen ausdrücklich mitdenken und aktiv einbinden wollen. Das führte zu einer engeren Zusammenarbeit, die Hausprojekte bei der Gestaltung von vielfältigem Wohnen unterstützt. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage, inwieweit MHS als Lernräume für emanzipatorische Vernetzung und Praxen dienen und dabei eigene Macht- und Diskriminierungsstrukturen konstruktiv reflektiert werden können.

Weiter stand der Flüchtlingsrat mit Migrant:innenselbstorganisationen und anderen Initiativen in Kontakt, die bereits Wohnraum bereitstellen bzw. aktiv an der Ausgestaltungen von entsprechenden Hausprojekten arbeiten. Es zeigte sich, dass die Vernetzung von Mietshäusersyndikaten mit Hausprojekten migrantischer Selbstorganisationen ein produktives und Synergie erzeugendes Element für die Bereitstellung von privatem Wohnraum ist. Während Mietshäusersyndikate aktuell vor der Herausforderung stehen, ihre Strukturen zu reflektieren und zu öffnen sowie die rechtliche Situation von geflüchteten Menschen zu berücksichtigen, eint die Wohnprojekte der Migrant:innenselbstorganisationen z.B. die Frage nach der bestmöglichen Rechtsform der Wohnprojekte. Der gegenseitige Austausch zwischen den beteiligten Gruppen über ihre jeweiligen Fachkenntnisse ist daher entscheidend, um geflüchteten Menschen den Weg aus Gemeinschaftsunterkünften zu ebnen. Durch die damit einhergehende Bündelung von Wissen zu Aufenthalts-, Wohn- und Finanzierungsfragen werden selbstbestimmte, gemeinschaftliche Wohnprojekte strukturell ermöglicht und gestärkt.

 

 

Veranstaltungen und Veröffentlichungen

Fachtage

  • Fachtag I – 8. Juli 2024, Potsdam | Geflüchtete Menschen in ländlichen Räumen – Einladung zum Dialog über Wohnen und Ankommen
  • Fachtag II – 22. und 23. März 2025, Berlin | Open Space Konferenz Gutes Wohnen für Alle
  • Fachtag III – 16. Februar 2026, Berlin | Von der Unterbringung geflüchteter Menschen zum Guten Wohnen für Alle | Haupt- und ehrenamtlich Solidarität gestalten für die Kommune der Zukunft

Veröffentlichungen

Alle Pressemitteilungen des VASiB-Netzwerks zum Thema Wohnen finden Sie hier.