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Cap Anamur: 9. Prozesstag – Prozessbeginn lässt mal wieder auf sich warten – Zeugen haben wenig zu berichten

Eintrag von Judith Gleitze, Flüchtlingsrat Brandenburg/Pro Asyl

Für 11:30 Uhr war am heutigen Prozesstag die Sitzung anberaumt. Vittorio Porzio und Ivan Sirmione, Verteidiger von Elias Bierdel und Stefan Schmidt, die für die Prozesstermine jedes Mal aus Neapel nach Südsizilien reisen müssen, durften sich jedoch bis 14 Uhr gedulden, es gab noch 4 andere Prozesse abzuarbeiten. Als erstes wurde dann der neue Dolmetscher befragt, den die Verteidiger erbeten hatten, als sich herausstellte, dass die bis dahin berufene Dolmetscherin eine simultane Übersetzung nicht leisten kann. Der nun berufene diplomierte Dolmetscher aus Agrigento gibt an, eine zusammenfassende wie auch eine simultane Übersetzung liefern zu können. Da die beiden Angeklagten heute nicht anwesend sind, kann das nicht überprüft werden. Dennoch bedingt sich Anwalt Porzio aus, dass diese Voraussetzung unbedingt gegeben sein muss, woraufhin die Richterin noch einmal deutlich macht, dass das kein Problem sei, schließlich sei nun mal Agrigento das Gericht mit den ausländischen Fällen und man habe immer Dolmetscher für Arabisch und so weiter hier, das sei doch keine Frage. Wir werden sehen.

Als Zeugen hat man heute drei Vertreter der Questura und der Polizei geladen, die darüber berichten sollten, was sie auf der Cap Anamur vorgefunden haben. Als erster Zeuge wird Antonio di Blasi aufgerufen, Ispettore bei der Questura in Agrigento. Er soll von den Vernehmungen berichten, die er mit vier bzw. fünf der 37 geretteten Männer der Cap Anamur, wie er sich, in den Unterlagen der Staatsanwaltschaft nachlesend, verbessert, und zwei aus der Mannschaft geführt hat. Hierbei handelt es sich um drei Sudanesen, einen Mann aus Sierra Leone und einen Mann aus Nigeria. Di Blasi soll zusätzliche Informationen zu den schon gegeben sammeln. Ob er die Nationalität der Männer nachgeprüft habe? Nein, die Nationalitäten seien ihm nur von den Flüchtlingen selber genannt worden. Die Männer hätten keine Papiere dabei gehabt, aus diesem Grunde seien die Identitäten im Büro der Questura verifiziert worden. Hat die Blasi die Infos aus erster Hand oder waren die Infos aus anderen Büros zusammen getragen? Welche dieser Informationen hat sein Vorgesetzter unterschrieben? Es geht hier sicher einerseits um die Feststellung, ob der Zeuge glaubwürdig ist, andererseits wäre es sicher interessant zu wissen, ob die Nationalitätenfestellung vielleicht durch den Besuch von Konsulatsvertretern in der Haft an Land durchgeführt wurde. Das alles kam hier aber nicht mehr zur Sprache.

Die Richterin ereifert sich, dass sie die Fragen nicht verstehe und was das solle, eine Antwort lässt sie sich jedoch auch kaum von Sirmione geben, da sie ihn in seiner anwaltlichen Erklärung permanent unterbricht. Di Blasi gibt zum Schluss Auskunft, dass er die Verifizierung der Nationalitäten mit einem gleichnamigen Kollegen durchgeführt habe.

Als zweiter Zeuge wird Fabio Fabiani von der “polizia scientifica”, dem Erkennungsdienst, verhört. Er hat mit seinem Team die Cap Anamur innen wie außen auf Spuren untersucht sowie das Schlauchboot in Augenschein genommen, auf dem die Flüchtlinge saßen. Er beschreibt letzteres als ein aus Plastik und Holz bestehendes Boot mit einem Außenbordmotor. Das Boot habe luftleer auf dem Deck in der Mitte des Schiffes gelegen. Insgesamt habe es eine Länge von 8 m gehabt. Er wird vom Staatsanwalt Bianchi weiterhin zum Laderaum der Cap Anamur befragt, habe es dort Lebensmittel und Wasser gegeben? Er beschreibt, sich nur an die herumliegenden Brotstücke erinnern zu können. Den Rest müsste man auf den Fotos nachschauen, die sie gemacht haben. Porzio fragt nach, in welchem Zustand das Schlauboot gewesen sei: “Es war in keinem guten Zustand”, so Fabiani. Nach einem kleinen Hin und Her fragt ihn die Richterin, wie viele Schlauchboote er denn schon gesehen habe in seinem Leben…

Die dritte Zeugin arbeitet ebenfalls beim Erkennungsdienst, Maria Antonietta Stirpe. Sie hatte zusammen mit Fabiani Dienst und bestätigt dessen Aussagen (die sie vor der offenen Tür stehend allerdings auch gut mithören konnte).

Nach diesen drei erquicklich wichtigen Zeugenaussagen ist auch der heutige Prozesstag beendet.

Die nächsten Termine sind der 18.6. um 15 Uhr (Achtung: geändert! Verlegt vom 11.6. auf den 18.6.), der 2.7. (noch ohne Uhrzeit) und der 9.7.2007, 10 Uhr. Zu erwartende Zeugen an den nächsten Terminen sind der seit Monaten ausbleibende Carabinieri-General Angelo Franchi und, wenn es noch möglich vor der Sommerpause ist, Stefan Schmidt.

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