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Cap Anamur: 18. Prozesstag – Journalist Roberto Monteforte berichtet über seine Tage an Bord

Zwei Zeugen werden heute gehört: der Lotse Renzo Camilleri und der Journalist Roberto Monteforte von der Unità. Camilleri sollte an Bord der Cap Anamur gehen und das Schiff in den Hafen von Porto Empedocle geleiten, doch dann war die Einfahrt verweigert worden. Die Staatsanwaltschaft mit einem neuen Staatsanwalt und einer Assistentin wollen das ganze Geschehen von vorne aufrollen, doch die Richterin unterbricht und verfügt, dass nur noch Fragen gestellt werden sollten, die zur Klärung beitragen, keine Wiedergabe der ganzen Abläufe, die schon bekannt sind. Daraufhin wird Camilleri nach nicht einmal fünf Minuten aus dem Zeugenstand entlassen.

Roberto Monteforte ist im Juli 2004 von seiner Redaktion nach Porto Empedocle geschickt worden. Zwar sei seine Aufgabe eigentlich Vatikanberichterstattung, aber es war Hochsommer, jemand musste diesen Auftrag übernehmen, das sei auf ihn gefallen. Er hatte sich schon in Rom, dem Sitz seiner Zeitung, über den Fall informiert und sollte sich dann das Geschehen vor Ort anschauen. Am 6.7.2004 ist er dann von einem Schiff an Bord der Cap Anamur gebracht worden. Es war nicht geplant, dass Monteforte tatsächlich länger an Bord bleibt, er hatte auch seine sämtlichen Sachen im Hotel in Porto Empedocle gelassen. Es wird mehrfach betont, dass seine Redaktion diesen Auftrag – auch das Verbleiben an Bord – gegeben hat, und er nicht aufgrund einer Einladung der Cap Anamur geblieben ist. Auch kam er gar nicht mehr zurück, da kein Schiff gefahren sein, um ihn ggf. an Land zu bringen. Im Vorfeld hatte Monteforte Kontakt mit Kollegen (La Repubblica und Fotografen anderer Medien) aufgenommen, die das Geschehen schon länger beobachteten, auch an Bord hat er vor allem über die Kollegen mit den Flüchtlingen und der Besatzung kommuniziert, da er nicht über englische oder deutsche Sprachkenntnisse verfügt. Die Staatsanwaltschaft hakt mehrfach nach, ob es irgendwo im Internet aktuelle Informationen über den Fall gegeben habe, was Monteforte bejaht, darüber habe er sich auch informiert. An Bord jedoch habe er kein Internet mehr zur Verfügung gehabt. Er berichtet, dass er Erfahrung in afrikanischen Ländern habe und man es den Schiffbrüchigen angesehen habe, dass sie physisch wie psychisch angegriffen waren. Die 37 Männer seien größtenteils auf dem Zwischendeck gewesen, auch wenn sie sich frei auf dem Schiff bewegen konnten. Im Zwischendeck sei er nur am ersten Tag gewesen und habe sich über ihre Situation informiert. Es gab Regeln an Bord, auch für die Journalisten, man durfte höchstens 30 Minuten mit den Flüchtlingen reden und es war immer jemand von der Besatzung dabei. Die Männer seien auf dem Schiff rum gelaufen, das habe sich erst ab dem 10.7. circa geändert, als die Spannung anstieg. Die Stimmung sei deutlich aggressiver geworden, als die Einfahrt verweigert wurde und die Flüchtlinge nicht wussten, warum man sie nicht endlich an Land bringt. Die Besatzung und Elias Bierdel, so Monteforte, haben versucht, die Männer zu beruhigen. Er habe dann mitbekommen, dass sich auf der anderen Seite des Schiffes, er konnte es also nicht sehen in dem Moment, einer der Flüchtlinge ins Meer stürzen wollte. Durch die Schreie ist er darauf aufmerksam geworden und hat dann noch gesehen, wie der Padre der Combonianer den Mann beruhigt habe. Der Flüchtling trug eine Schwimmweste, die Besatzung konnte ihn aufhalten, es habe ein großes Gerangel gegeben. Monteforte sagt aus, dass aufgrund der steigenden Spannung die Kontrolle auf dem Schiff durch die Besatzung nicht mehr so gewährleistet war. Einige hätten gesagt, sie springen, wenn nicht endlich etwas passiere. Der Kapitän habe dann die Verdopplung der Kontrollposten angeordnet, zwei Besatzungsmitglieder seien immer bei den Flüchtlingen gewesen. Monteforte wird gefragt, ob er von der Asylantragstellung in Deutschland gewusst habe, ob der Kapitän ein solches Fax abgesendet habe. Monteforte bestätigt das. Alle an Bord befindlichen Journalisten seien darüber informiert worden. Ob er über die Ablehnung der Anträge noch an Bord erfahren habe weiß er nicht mehr. Noch einmal wird gefragt, ob es eine besondere Einladung an die Journalisten gegeben habe, Monteforte verneint das und bestätigt das noch einmal in einer Nachfrage der Verteidigung, ob die Journalisten an Bord gewesen seien, um Berichte für ihre jeweiligen Medien zu verfassen. Es seien keinerlei Geschäfte mit Bildern o.ä. mit der Cap Anamur gemacht worden (soll heißen, die Cap Anamur hat keine Bilder oder Materialien verkauft!).

Monteforte wird auch gefragt, ob er wisse, wann die Flüchtlinge an Bord kamen. Er bestätigt den 20.6.2004.

Wie haben denn die Flüchtlinge über die Asylantragstellung und alles weitere Vorgehen erfahren? Es habe drei Sprecher der Flüchtlinge gegeben, die englisch konnten, diese wurden von der Besatzung und dem Leiter auf dem Laufenden gehalten. Am 10.7. habe es nachts eine Krisensitzung gegeben. Auch ein Vertreter des Italienischen Flüchtlingsrats sei an Bord gewesen und habe Dolmetscher mitgebracht.

Die Richterin fragt zum Schluss noch einmal, ob es eine Krisensituation aufgrund zur Neige gehender Nahrungsmittel etc. gegeben habe, Monteforte verneint das, es sei seiner Meinung nach genug an Bord gewesen, die Krisenstimmung beruhte auf der angespannten Situation. Die Stimmung sei gekippt, als Land sichtbar wurde, als die Cap Anamur so kurz vor dem Hafen nicht einlaufen durfte. In diesem Moment seien die Flüchtlinge verzweifelt.

Damit endete die Zeugenaussage von Monteforte.

Das Gericht hat sich dann mit dem Antrag der Verteidigung befasst, die Zeugenliste auf beiden Seiten zu verringern, um den Prozess etwas schneller voran zu bringen. Bis auf wenige Ausnahmen hat sich die Staatsanwaltschaft den Vorschlägen der Verteidigung zugestimmt. Folgende Zeugen will die Staatsanwaltschaft nun doch unbedingt hören:

Stefan Stuchlik (Journalist), Martin Hilbert (Journalist), Dominik Berg (Besatzung), Cosimo Spadavecchia (Padre der Combonianer). Weitere Zeugen werden wahrscheinlich noch Besatzungsmitglieder, ein Mitarbeiter der Reederei NSB und der Rechtsanwalt Giorgio Bisagna (Ital. Flüchtlingsrat CIR) sein.

Die nächsten Termine sind für diese Zeugenaussagen angesetzt:

Am 16.06.08, 9:30 Uhr, sollen die Zeugen der Staatsanwaltschaft, am 30.06.08 die Zeugen der Verteidigung gehört werden.

Es wird wohl noch ein weiterer Termin notwendig sein, dann aber könnte die Zeugenvernehmung endgültig beendet sein! Das verspricht auch ein eventuell baldiges Ende des Prozesses. Wir werden sehen!

Der Prozess gegen die tunesischen Fischer wird nach längerer Pause aufgrund des Ausfalls einer Richterin nun am 28.4.2008 in Agrigento fortgesetzt.

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