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Cap Anamur: 10. Prozesstag

Eintrag von Germana Graceffo, aus dem Italienischen übersetzt und kommentiert von Judith Gleitze

Vier äußerst wichtige Zeugen machen es mal wieder mäßig spannend… Als erstes lehnt die Richterin am heutigen Sitzungstag mal wieder einen Antrag der Verteidigung ab: sie darf keinen eigenen Simultandolmetscher stellen. Die Verteidigung kündigt an, dagegen Einspruch einzulegen. Dann werden vier Zeugen verhört: als erstes kommt Dottore Ausenda, der 2004 das Kommando der Nautischen Einheit in Porto Empedocle geführt hat. Seine Aufgabe war es, den Befehl des Nicht-Einfahrens in die nationalen Gewässer an die Cap Anamur zu übermitteln, da das sonst als Beihilfe zur illegalen Einreise gewertet worden wäre. Der Befehl wurde ihm telefonisch von Dottore Bulona (einem Zeugen der Verteidigung) übermittelt. Ausenda hat der Cap Anamur den Befehl per Funk auf englisch weiter gegeben (Anmerkung der Beobachterin;: es gibt also keinerlei schriftliche oder aufgezeichnete Beweise dieses Befehls).

Die zweite Zeugin ist die Leiterin des Kommissariats von Sciacca, Frau Doktor Vivona. Am 2. Juli 2004 sei ein privates Boot im Hafen von Sciacca eingelaufen, an Bord seien der Abgeordnete Calogero Miccichè und deutsche Journalisten gewesen. Die Journalisten hätten sich seit Ende Juni auf der Cap Anamur befunden: sie seien am 28.6. mit einem Schlauchboot von Tunesien, wo sie in Ferien gewesen seien, losgefahren, um zur Cap Anamur zu fahren. Sie haben dabei vom Boot des Abgeordneten profitiert, um wieder an Land zu gelangen. Zur Zeit der Inspektion durch die Polizei sei die Situation auf dem Schiff kritisch gewesen, so Vivona. Wie sie denn mit den Deutschen kommuniziert habe? Sie habe den Sohn eines Barmanns gebeten, der schon mal in Deutschland gearbeitet habe…mal abgesehen davon, dass die Journalisten nicht Schlauchboot gefahren sind wird nicht erwähnt, dass man das Material, dass Miccichè dabei hat (Fotos etc.) sofort konfiszieren wollte. Miccichè hat sich jedoch hierbei auf seine Immunität als Abgeordneter berufen.

Als Drittes kommt Dottor Boris, damals Oberleutnant für Inspektionen bei der Hafenmeisterei in Porto Empedocle. Die Cap Anamur habe die Einfahrt in nationale Gewässer aufgrund sanitärer Probleme an Bord beantragt (immer mal wieder was Neues…). Er berichtet von 2-3 Inspektionen an Bord. Am m28.7.2004 soll das Schiff desinfiziert werden, da es Mäuse an Bord gegeben habe. Er erinnert sich, dass der Kühlschrank im Speiseraum verdorbene Lebensmittel enthielt, so viel, dass die m Mannschaft davon hätte „überleben” können (wie lange? Und nur die Mannschaft?) 2 Gefriertruhen hätten auch noch Rest von Fisch enthalten, sie seien abgeschaltet gewesen. Est weiß er nicht mehr wie viel, dann erinnert er sich an 7 kg gefrorenen Fisch…Die Gefriertruhen seien halbleer gewesen. Sie hätten auch noch weitere Nahrungsmittel gefunden – was den Aussagen der letzten Zeugen widerspricht, die nur trockenes Brot gesehen haben wollen…Er kann sich nicht erinnern, ob die Brennstofftanks überprüft worden seien. Weiterhin kann er sich noch an Medikamente, einen Jeep und 2 Boote erinnern, die an Bord gewesen seien.

Der vierte Zeuge, Dottor Del Prete, war damals Leiter der Einsatzzentrale des Kommandos in Rom. Er hatte die Aufgabe, die Befehle der Einsatzzentrale Rom nach den Anweisungen des Innenministeriums an die Einsatzkräfte in Porto Empedocle weiterzugeben. Alle Gespräche sind aufgezeichnet worden, an Weiteres erinnert er sich nicht…das Vergessen greift wieder um sich. Die Verteidigung erbittet die erwähnten Aufzeichnungen, die sie anscheinend noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Damit es nicht so schnell geht fällt der Termin am 2.7. erst mal aus, der nächste Termin ist auf den 9.7. anberaumt, und dann muss sich das Gericht erholen – es geht weiter am 24.9. und am 8.10.2007 (wenn es dann klappt….)

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