Kontakt

Beratungszeiten
Aktuell sind unsere telefonischen Beratungszeiten Dienstags und Donnerstags von 11 bis 13 Uhr.
Tel.: 0331 - 716 499

Bürozeiten
Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr

Rudolf-Breitscheid-Str. 164
14482 Potsdam
Tel.: 0331 - 716 413
Fax: 0331 - 887 15 460
info [at] fluechtlingsrat-brandenburg [dot] de

Kontaktformular

Karte

Spenden

Flüchtlingsarbeit ist nicht kostenlos und schon gar nicht umsonst. Deshalb freuen wir uns über Spenden zur Unterstützung der Arbeit des Brandenburgischen Flüchtlingsrats. Diese können Sie in beliebiger Höhe auf unser Konto überweisen, auf Wunsch erhalten Sie selbstverständlich eine Spendenbescheinigung, da wir als gemeinnütziger Verein anerkannt sind.

Förderverein des Brandenburgischen Flüchtlingsrats e.V. Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam Konto Nr.: 350 1010 000 BLZ: 160 500 00 IBAN.: DE33 1605 0000 3501 0100 00 SWIFT-BIC: WELADED1PMB

Gefördert von


Logo Pro Asyl
Für projektspezifische Förderung siehe Projekte

Berichte von Inhaftierten aus der Abschiebehaftanstalt Eisenhüttenstadt

Diese Berichte stammen von Frau K. Unter unserer Übersetzung findet sich der Brief auf Englisch, den sie uns geschickt hat. Sie hat uns recht detaillierte Schilderungen zukommen lassen. Sie hat in persönlichen Gesprächen viel über Schikanen gesprochen. Sie ist am 25.11. nach Kenia abgeschoben worden. Der Name der Frau und ihrer Anwältin ist uns bekannt.

Frau K., 05.11.2003

Ich möchte mehr Information darüber geben, was hier weiter passiert. Die Ausländerbehörde hat die Sicherheitskräfte hier angewiesen, uns jeden Abend vor dem Schlafengehen zu kontrollieren. Sie kontrollieren Betten und unsere Kleiderschränke. Die Kontrollen, die sie machen, sind ihnen nicht genug. Sie führen das jeden Tag fort und die Kontrollen können immer passieren. Die Menschen hier haben Angst, wenn mehr als drei Sicherheitskräfte, begleitet von einem Beamten der Ausländerbehörde, kommen und dich kontrollieren. Ich kann keine Bodylotion, kein Parfum, Duschbad, Seige oder irgendeine Handcreme über Nacht in meiner Zelle lassen.

Mir ist nicht erlaubt, einen Gürtel oder hochhackige Schuhe zu besitzen. Für mich ist das verboten. Das einzige medizinische Personal hier war eine Krankenschwester. Die haben sie jetzt ersetzt durch eine Frau, die hier für gewöhnlich als Wäscherin arbeitet.

der Arzt kommt einmal die Woche. Sein Name ist Dr. G. und er hat eine private Praxis in der Nähe des Stadtzentrums. Er ist der Arzt, der mir all die Medikamente verschrieben hat, die ich hier gekriegt habe und der auch in die Beruhigungszelle kam und mir die Medizin verschrieben hat, die ich dort bekommen habe.
Er war auch derjenige, der dem Mädchen gedroht hat, die mein Essen gegessen hatte und er machte alle Check Ups hier.

Er wird in Notfällen immer gerufen. Einer musste 5 Stunden auf ihn warten, weil, so sagen sie, er für 5000 Menschen in Deutschland zuständig ist.

9. November.

Das letzte Mal war ich am 11. Oktober in der Beruhigungszelle. Ich blieb dort bis 13. Oktober. Die Frau, die das angewiesen hat, war schlank, hat blonde lockige Haare und blaue Augen.

Bei den anderen Malen kann ich mich nicht an das genaue Datum erinnern, aber das erste Mal müsste um den 15.-20. September gewesen sein. Dann vom 24. bis 27. September und vom 2. bis 6. Oktober. Ich bin mir nicht sicher, es müssen ungefähr diese Daten sein. Mehrere Male steckten sie mich in die Zelle gegenüber der Beruhigungszelle und wenn ich Krach machte oder laut war, brachten sie mich zurück in die Beruhigungszelle.

Einmal habe ich Shampoo geschluckt, da kam es zu [???]. Ich hatte Kopfschmerzen am Abend und am nächsten Morgen ließen sie mich aus der Zelle und gegen 6 Uhr bat ich um eine Kopfschmerztablette. Eine Frau von der Ausländerbehörde kam und hat mein Fieber gemessen. Ich hatte 35°C. Mir war kalt und mein Kopf tat weh. Sie sagten, ich solle in meine Zelle gehen und warten bis der Arzt kommt. Sie sagten, sie hätten keine Tabletten und ich müsste warten, bis der Arzt kommt. Gegen 5 Uhr schluckte ich Shampoo und meine ‚Zellenkameradin’ rief die [?]. Ich übergab mich als sie kamen, denn sie mussten sicher gehen, dass ich wirklich was geschluckt habe und nicht lüge. Der Notarzt kam und brachte mich ins Eisenhüttenstädter Krankenhaus, in die Notaufnahme. Zuerst untersuchte mich eine Ärztin. Es gab keinen Arzt, der Englisch sprechen konnte, deshalb wurde sie geschickt. Sie stellte mir Fragen auf Deutsch und ich musste auf Deutsch antworten.

Ich war die ganze Zeit über in Handschellen und zwei Sicherheitsbeamtinnen standen immer bei mir. Die Doktorin schrieb alles auf was ich ihr sagte und nach ca. 30 Minuten kam ein Beamter der Ausländerbehörde. Er ärgerte sich sehr über mich und meine Beine wurden gefesselt. Ich sollte dann das Papier unterschreiben, dass die Ärztin verfasst hatte, sie sagten ich müsse unterschreiben, dass die Ärztin mich gesehen hat und ich behandelt wurde. Dann gab sie mir eine Tablette, die ich schlucken musste und einer der Polizisten zog mich nach draußen ins Auto.

Ich war geschockt, denn ich wusste nicht, warum er mich auf diese Weise bedrohte. Meine Arme und Beine waren gefesselt und er zog mich raus ins Auto mit zwei Sicherheitskräften hinter mir. Er sagte ich solle nicht mal versuchen, ein Wort zu sagen, denn er sei total wütend auf mich. Ich wurde zurück zum Abschiebegefängnis gefahren in einem Privatauto. Es war silbern, aber ich kann mich auch irren, denn es war dunkel draußen.

Sie brachten mich also rein, nahmen mir die Handschellen und Fußfesseln ab und brachten mich zu der anderen Zelle. Sie schlossen das Fenster mit einem Schlüssel ab, die Wasserspülung der Toilette wurde abgestellt, sie machten die Heizung an und schlossen mich ein. Ich hatte keine Luft in dem Raum, nichts zu trinken und ich schwitzte bei der Hitze. Mein Körper dehydrierte. Sie öffneten die Zelle um 9 Uhr am nächsten Morgen. Ich war so schwach und bat die Sicherheitsbeamten um etwas zu trinken. Sie brachten Tee und Eistee und zumindest kam eine Frau von der Ausländerbehörde und öffnete das Fenster. Ich musste bis mittags in der Zelle bleiben, dann durfte ich zurück in meine Zelle. Das alles muss zwischen dem 24. und 27. September gewesen sein. Bei diesen zwei Gelegenheiten fesselten sie mich über 12 Stunden und ich bekam starke Schwellungen an den Händen, die erst nach zwei Tagen abheilten.

(Ich schrieb das an dem Tag, an dem ich die Leute von der ARI anrief. Ich kann mich an das genaue Datum nicht erinnern.)

[Anm. d. Ü.: Das muss um den 4. Oktober gewesen sein.]

1) Ich möchte detailliert darüber berichten, was mir hier in Abschiebehaft in Eisenhüttenstadt passiert. Es gibt einen Raum, sie nennen ihn Beruhigungszelle Nr. 2007. Ich war dort mehrere Male eingesperrt, aber die letzten drei Tage waren die schlimmsten. Ich wurde am Mittwoch [Anm. d. Ü.: 01.10.2003] in die Zelle gebracht dun dort 2,5 Stunden gefesselt. Es ist ein flaches Gestell [floorehich – ?], das beheizt ist und es ist umgeben von einem Metallrahmen. Sie bedecken das Metall mit Plastik und kleben es mit Klebeband ab. Wenn sie jemanden fesseln, benutzen sie verschieden lange Gurte von “Segufix”.

Sie fesseln deine Hände, deinen Bauch und deine gespreizten Beine. Wenn sie denken, dass man jetzt ruhig genug ist, bringen sie dich in die Zelle gegenüber. Am Donnerstag [2.10.] war ich außer Kontrolle und zerbrach eine Tasse. So brachten sie mich von 9 bis 21 Uhr zurück. Das war das Schlimmste von allem. Sie fesselten meine Arme und Beine so fest, dass mein Blut nicht mehr zirkulieren konnte.

Sie holten eine Krankenschwester, die gucken sollte ob sie es nicht zu eng schnallten und sie meinte es sei okay.

Nach einer Stunde spürte ich meine Beine nicht mehr. Sie kamen zurück, machten meine Beine los und machten warme Wadenwickel, damit das Blut wieder zirkulieren konnte.

Nach einer weiteren Stunde machten sie auch meine Hände los, die ich schon nicht mehr spüren konnte und sie sagten mir, dass ich aufstehen solle. Ich lag die ganze Zeit auf dem kahlen Fußboden ohne Matratze.
Danach brachten sie mir eine Matratze und fesselten meine Beine wieder so fest.

Mein Körper war aufgerichtet. Sie brachten mir Mittagessen und gingen wieder. Danach duschten sie mich und eine Frau ohrfeigte mich so hart, dass ich blutete, weil ich frech zu ihr war.

Danach fesselten sie mich wieder in aufrechter Haltung, meine Beine, Arme und mein Bauch wurden 2 Stunden lang gefesselt. Später kam der Mann, der das angeordnet hatte und fragte was ich wollte. Ich sagte ihnen, dass ich nur eine Decke wolle und dass die Heizung angemacht werde, weil ich fror. Dann brachten sie mich zurück zur Zelle [welche?] und sagten, das ich dort solange bleiben muss bis ich mich wieder unter Kontrolle habe.

Es war mir nicht erlaubt, jemanden anzurufen oder Telefonate zu empfangen.
Es war mir nicht erlaubt, mit den anderen Häftlingen zu sprechen.
Es war mir nicht erlaubt, den einstündigen Hofgang zu nutzen.

Sie brachten mich diesen Morgen raus nachdem ich darauf bestand zurück zu meiner Zelle gebracht zu werden. Die ganze Zeit über gaben sie mir jeden Tag 3 Tabletten. Sie brachten mir Tee, Eistee und Milch in einem Plastikbecher. Der Tee und die Tabletten ließen mich schwindlig und schwach werden. Das einzige was ich tun konnte war schlafen.

Gestern Morgen gab ich ihnen einen Brief von meiner Anwältin L.. Ich weinte die ganze Zeit über in den verschiedenen Zellen [i cried myself all this time in the (?) cells]. Sie nennen mich “die Schwarze”, und sie kamen und fragten lachend ob ich mich jetzt gut fühlen würde.

Der Mann, der das alles angeordnet hat ist zwischen 40 und 50 Jahre alt, hat blondes Haar und blaue Augen.

Die Frau, die mich schlug hat kurze Haare und ist klein, sie hat auch blau/graue Augen. Als sie mich fesselten waren sie zu sechst. 3 Sicherheitsbeamte und 3 Beamte von der Ausländerbehörde.
Ich verstehe jetzt warum Menschen in diesem Gefängnis Selbstmord begehen. Ich kann die Unmenschlichkeit, die hier jeden Tag herrscht, nicht beschreiben. Es ist einfach unglaublich.

  • sie lassen mich keine Seife, Zahnpasta oder Bodylotion auf meiner Zelle behalten. Ich muss jedes Mal danach fragen, wenn ich welche brauche.
    5.11.2003 (english version)

    I want like to give more information about all that continues to happen here. The people who work for behörde make contact to the security men to have we get controlled before we go to bed. They check our beds and our wardrobes (cabins) where we keep our clothes checking everything we have inside. The control they do here is not enough for them. They continue this everyday and it can happen anytime. People in here live in fear seeing more than three security people and always accompanied by someone from behörde coming to control us. I personally cannot keep my bodylotion, perfume, shower gel, soap, or any hand lotion at night in my room.

    I am not allowed to have a belt or high heeled shoes at anytime. For me this is forbidden.
    The doctor who work here are one nurse who is no longer here and they have replaced her with a woman who used to work here as a laundry woman.

    The doctor comes once per week. His name is Dr. Gläser who has a private clinic in Eisenhüttenstadt near the city center. He was the doctor who was prescribing all the medications they were giving me here and he was also the one who came to see me in the Beruhigungszelle and prescribed the medication they gave me.

    He was also the one who came to threat this girl who ate my food and he does all the check ups here.
    He is the one they always call when there’s any emergency and someone has to wait for more than 5 hours because they say he works for more than 5000 people in Germany.

    9th november 2003

    The last time I was in the cell was on 11th october and I stayed there till 13th october. The woman who instructed this action was a slim women, with curly blond hair and blue eyes.

    The other times I cannot remember the exact dates but the first time should have been on 15th Sept. – 20th September. The from 24th september – 27th september Then on 2nd oct. – 6th oct. This times I’m not quite sure about it must have been around this dates. (Mo ? ) the times they would keep me in another cell opposite this beruhigungszelle and I would be loud or make a lot of noise they would come and bring me back in the beruhigunszelle.

    There is a time I swallowed shampoo, this came to (?) I had a headache this evening, this morning they had just released me from this cell and at around 6.00 o’clock I asked for a headache tablet. One woman came from behörde and they checked my temperature and I had like 35° C I was cold and my head ached. They told me to go back to my room and wait for the doctor., they said they had no tablets and I would have to wait till the doctor came. At around 5o’clock I swallowed shampoo and my roommate called the. I was vomiting when they came because they had to make sure that I really had swallowed or I was lying. The Notruf came and I was taken to hospital. This was in Eisenhüttenstadt hospital and I was taken to the emergency unit. There, I was first inter?ed by a woman doctor. They couldn’t get a doctor who could speak English to me and so I speak German they brought a doctor who was questinoning me in German and I had to answer in German.

    This time my hands where handcuffed and two security women were with me. This doctor was writing everything I was saying to her and after 30 min interview the man from behörde come inside this room, he was totally annoyed with me and they chained my legs. I was told to sign the paper that this doctor had been writing all along and they said that I had to sign, that I had seen the doctor and that I got threatment. She then gave me a tablet to swallow and this police man from behörde pulled me outside to the car.

    I was in shock coz I didn’t know why he was threating me this way. My arms and my legs were tied and he was pulling me outside to this car with the security guards gehind me. He said that I shouldn’t even try to say a word because he was totally mad with me. I was driven back to the deportation camp with a private car which was silver colour, but I may mistake the colour because it was dark outside.

    They brough me in and untied the handcuffs and chains and I was taken to the other cell. They closed the window with a key, the water for the toilette flushin was switched off and they switched the heater on and locked me inside. I had no air in this room, I had nothing to drink and I was sweating from the heat. My body was dehydrated. They opened this cell the following morning at 9.00am and I was so weak and asked the security people to give me something to drink. They brought tea and ice tea and at least one women from behörde came and opened my window. I had to stay in this cell till midday when they released me to go back to my room. This must have been on 24th – 27th sept., beetween this dates. On the two occasion they tied me for 12 hours I experienced extreme swelling on my hands that would go after 2 days or so.

Comments are closed.