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	<title>Flüchtlingsrat Brandenburg &#187; Italien</title>
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		<title>SOS Mittelmeer &#8211; Lebensretter in Not</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 08:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fr-bb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ Spendenaufruf Das Komitee „SOS Mittelmeer – Lebensretter in Not“, gegründet am 25.3. 2010, setzt sich für tunesische Fischer ein, die 44 Menschen aus Seenot im Mittelmeer gerettet haben. Sie wurden von italienischen Behörden kriminalisiert und ein sizilianisches Gericht verurteilte die Kapitäne Bayoudh und Jenzeri im November 2009 zu einer Haftstrafe von 30 Monaten sowie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[ <a href="http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/wp-content/uploads/2006/11/cap_anamur.jpg"><img src="http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/wp-content/uploads/2006/11/cap_anamur-150x150.jpg" alt="cap_anamur" title="cap_anamur" width="150" height="150" class="alignright size-thumbnail wp-image-355" /></a> <strong>Spendenaufruf</strong> Das Komitee „SOS Mittelmeer – Lebensretter in Not“, gegründet am 25.3. 2010, setzt sich für tunesische Fischer ein, die 44 Menschen aus Seenot im Mittelmeer gerettet haben. Sie wurden von italienischen Behörden kriminalisiert und ein sizilianisches Gericht verurteilte die Kapitäne Bayoudh und Jenzeri im November 2009 zu einer Haftstrafe von 30 Monaten sowie zu einer Geldstrafe von 440.000,00 €.
	<p>Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsaktion für die tunesischen Fischer! Seenotrettung ist kein Verbrechen! </p>
	<blockquote>
		<p>Spendenkonto:<br />
Internationale Liga für Menschenrechte<br />
Kontonummer: 3317104<br />
Bank für Sozialwirtschaft<br />
Bankleitzahl: 10020500<br />
Stichwort: Menschenfischer</p>
	</blockquote>
	<p><span id="more-2161"></span></p>
	<p>Ihre Boote wurden konfisziert und auf Lampedusa festgelegt, wo sie inzwischen aufgrund der erlittenen Schäden unbrauchbar geworden sind. Die Existenzgrundlagen der Fischer und ihrer Familien wurden damit ruiniert. Die Kriminalisierung der Lebensretter durch das skandalöse Urteil  kann nicht hingenommen werden.</p>
	<p>Die Anwälte der Fischer werden Revision gegen das Urteil einlegen. Mit einem Prozessbeginn in 2. Instanz ist aber nicht vor 2011 zu rechnen. Das Komitee wird für die Zeit der Gerichtsverfahren die tunesischen Fischer durch Spendenkampagnen materiell und rechtlich unterstützen.</p>
	<p>Wir fordern Freispruch für die Kapitäne, Schadensersatz für die zerstörten Boote, Haftentschädigungen und finanziellen Ausgleich für die Zeit der aufgezwungenen Erwerbslosigkeit. Die Abschottung der EU und ihre tödlichen Folgen sind nicht hinnehmbare Menschenrechtsverletzungen und verlangen unser Eingreifen und unsere Solidarität. </p>
	<p>„Wo Solidarität kriminalisiert wird, sind wir alle in Gefahr.“ (Madjiguène Cissé). </p>
	<p>Für das Komitee „SOS Mittelmeer“:<br />
Internationale Liga für Menschenrechte &#8211; Flüchtlingsrat Berlin &#8211; borderline europe<br />
Fanny Michaela Reisin, Heidi Bischoff-Pflanz  (Sprecherinnen des Komitees)</p>
	<blockquote>
		<p>Für Nachfragen wenden Sie sich bitte an  <br />
Helmut Adamaschek<br />
Tel: 0172 313 77 17<br />
email: menschenfischer@bildungswerk-boell.de  </p>
	</blockquote>

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		<title>Frankfurter Rundschau: In den Zonen der Rechtlosigkeit</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Jul 2006 23:10:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[ <p>Agneddu e sucu e finici `u vattiu&#8217; &#8211; ‘Lamm und Soße und fertig ist die Taufe&#8221; besagt ein sizilianisches Sprichwort und es meint so etwas wie ‘nach mir die Sintflut&#8217;. So beschreiben die Mitarbeiter der „Villa Exodus&#8221;, einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Sizilien, die Einstellung der Polizisten, mit denen sie täglichen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>Agneddu e sucu e finici `u vattiu&#8217; &#8211; ‘Lamm und Soße und fertig ist die Taufe&#8221; besagt ein sizilianisches Sprichwort und es meint so etwas wie ‘nach mir die Sintflut&#8217;. So beschreiben die Mitarbeiter der „Villa Exodus&#8221;, einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Sizilien, die Einstellung der Polizisten, mit denen sie täglichen zu tun haben. Diese staatliche Haltung ist bezeichnend für die Gesamtsituation, denn sie charakterisiert den Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen in (Süd-) Italien &#8211; man will sie loswerden. Es interessiert nicht, was aus diesen Menschen wird, im Gegenteil: kann man sie nicht sofort zurückschieben, will man sie sich aus den Augen schaffen. Dieser Artikel beschreibt, wie man in Italien vom Flüchtling zum Illegalen wird.</p>
	<p>Gekürzte Fassung in Frankfurter Rundschau 5.7.2006</p>

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		<title>Tote in der Meerenge von Sizilien</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Feb 2005 22:20:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortress Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>

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		<description><![CDATA[ Mindestens 280 Migranten kamen im Jahr 2004 in der Meerstraße von Sizilien ums Leben, beim Versuch, Italien zu erreichen. <p>Mindestens 280 Migranten kamen im Jahr 2004 in der Meerstraße von Sizilien ums Leben, beim Versuch, Italien zu erreichen.</p> <p>Anbei die Tabelle mit den von mir zusammengestellten Angaben.</p> <p>Die Angaben über 2003 sind unter italy.peacelink.org/migranti/articles/art_6130.html [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<h6>Mindestens 280 Migranten kamen im Jahr 2004 in der Meerstraße von Sizilien ums Leben, beim Versuch, Italien zu erreichen.</h6>
	<p>Mindestens 280 Migranten kamen im Jahr 2004 in der Meerstraße von Sizilien ums Leben, beim Versuch, Italien zu erreichen.</p>
	<p>Anbei die Tabelle mit den von mir zusammengestellten Angaben.</p>
	<p>Die Angaben über 2003 sind unter <a href="http://italy.peacelink.org/migranti/articles/art_6130.html">italy.peacelink.org/migranti/articles/art_6130.html</a> abrufbar.</p>
	<p>Zusammengestellt von:</p>
	<blockquote>
		<p>Paolo Cuttitta &#8211; Università degli Studi di Palermo<br />
Dipartimento studi su Politica, Diritto e Società<br />
Piazza Bologni, 8, 90134 Palermo<br />
Tel. 0039 091 6625600, Fax 0039 091 6112023<br />
<a href="http://dpds.onetxp.com/dottorati/dottorandi.asp">dpds.onetxp.com/dottorati/dottorandi.asp</a><br />
paolocuttitta [at] tiscali.it</p>
	</blockquote>
	<p><a href="http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/wp-content/uploads/2009/10/Sizilien_02_05.pdf">Übersicht zum Download als PDF</a></p>

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		<title>37 Schiffbrüchige &#8211; Nervenkrieg vor Sizilien geht weiter</title>
		<link>http://www.fluechtlingsrat-brandenburg.de/pressemitteilungen/37-schiffbruchige-nervenkrieg-vor-sizilien-geht-weiter</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2004 22:09:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortress Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen]]></category>

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		<description><![CDATA[ <p style="text-align:right;">Presseerklärung 6. Juli 2004</p> Cap Anamur: Kein Land in Sicht PRO ASYL: Humanitäre Aufnahme statt zynischer Prinzipienreiterei <p>Vor der sizilianischen Küste findet ein Nervenkrieg auf dem Rücken von 37 Schiffbrüchigen statt. Die Cap Anamur rettete die Schutzsuchenden aus der Seenot. Seit Donnerstag, dem 1. Juli 2004, verweigern die italienischen Behörden die Einfahrt des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p style="text-align:right;">Presseerklärung<br />
6. Juli 2004</p>
	<h6>Cap Anamur: Kein Land in Sicht
PRO ASYL: Humanitäre Aufnahme statt zynischer Prinzipienreiterei</h6>
	<p>Vor der sizilianischen Küste findet ein Nervenkrieg auf dem Rücken von 37 Schiffbrüchigen statt. Die Cap Anamur rettete die Schutzsuchenden aus der Seenot. Seit Donnerstag, dem 1. Juli 2004, verweigern die italienischen Behörden die Einfahrt des Schiffes in den Hafen von Empedokle. 37 Menschen, die ohne den Einsatz der Cap Anamur in der Dunkelzifferstatistik der tausendfachen Toten an den europäischen Außengrenzen verschwunden wären, warten vergeblich auf eine humanitäre Lösung.</p>
	<p>PRO ASYL fordert die italienischen Behörden auf, unverzüglich alle martialischen Drohgebärden mit Kriegsmarine, Helikoptern etc. gegen die Cap Anamur einzustellen und endlich die 37 Schutzsuchenden an Land zu nehmen. Das Leben der Überlebenden muss an erster Stelle stehen. Die humanitäre Aufnahme statt zynischer Prinzipienreiterei ist das Gebot der Stunde. PRO ASYL appelliert in diesem Zusammenhang an die deutsche Bundesregierung, alle zur Verfügung stehenden diplomatischen Initiativen &#8211; bis hin zu einem Übernahmeangebot an die italienische Regierung &#8211; zu ergreifen, um das Drama vor der Küste Siziliens zu beenden.</p>
	<p>Der Rettungseinsatz der Cap Anamur setzt das traurigste und drängendste Problem einer verfehlten europäischen Asyl- und Migrationspolitik auf die Tagesordnung: das tägliche Sterben an den Außengrenzen Europas.</p>
	<p>Offiziell kamen allein seit Anfang 2002 über 1.000 Menschen an den europäischen Außengrenzen ums Leben. In den letzten Jahren ist das Mittelmeer zwischen Nordafrika und Südeuropa Schauplatz unsäglicher menschlicher Tragödien geworden. Nach Schätzungen haben über 5.000 Personen den Tod im Meer gefunden. Sie starben bei dem Versuch, sich an den spanischen, französischen, italienischen, maltesischen oder griechischen Küsten in Sicherheit zu bringen. Aus dem Blick gerät zunehmend, welche Zustände Flüchtlinge zwingen, ihr Land zu verlassen und unter welchen lebensgefährdenden Voraussetzungen sie überhaupt noch das Territorium der Europäischen Union erreichen können.</p>
	<p>gez. Karl Kopp<br />
Europareferent von PRO ASYL<br />
Vorstandsmitglied von ECRE (European Council on Refugees and Exiles)</p>

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		</item>
		<item>
		<title>AUFRUF AN DIE EUROPÄISCHE ZIVILGESELLSCHAFT</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2004 22:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fortress Europe]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[ <p>&#8220;Seit Donnerstagmorgen driftet unser Schiff 15 Meilen vor dem sizilianischen Hafen Empedocle. Wir bestehen darauf, in den Hafen einzulaufen &#8211; so wie es ursprünglich geplant und auch genehmigt war. Bislang haben uns die Behörden nicht mitgeteilt, warum die ursprünglich erteilte Genehmigung widerrufen worden ist. Die Konfrontation durch verschiedene bewaffnete Kräfte des italienischen Staates ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<p>&#8220;Seit Donnerstagmorgen driftet unser Schiff 15 Meilen vor dem sizilianischen Hafen Empedocle. Wir bestehen darauf, in den Hafen einzulaufen &#8211; so wie es ursprünglich geplant und auch genehmigt war. Bislang haben uns die Behörden nicht mitgeteilt, warum die ursprünglich erteilte Genehmigung widerrufen worden ist. Die Konfrontation durch verschiedene bewaffnete Kräfte des italienischen Staates ist grotesk und offenbar dazu bestimmt, unsere Crew und die Passagiere an Bord in Angst und Schrecken zu versetzen. Wir protestieren gegen diese Art der Behandlung.</p>
	<p>Die Schiffbrüchigen, die wir retten konnten, sind keine `clandestini`- denn sie haben die Grenzen nach Europa noch nicht überschritten. Wir haben vielmehr ordnungsgemäss &#8211; und in Übereinstimmung mit internationalen Rechtsvorschriften, sowie der allgemein üblichen Praxis &#8211; rechtzeitig eine Liste mit allen Menschen an Bord übermittelt. Dies kann keinesfalls als `Versuch der illegalen Einreise` intepretiert werden.</p>
	<p>Wir haben nicht die Absicht, die italienische Regierung zu konfrontieren oder Druck auf irgendjemanden auszuüben. Wir verlangen lediglich das Recht zur Einfahrt in den Hafen Empedocle, da die Situation an Bord immer schwieriger wird. Wir stellen fest, dass jene, die uns daran hindern Schiffbrüchige in einen sicheren Hafen zu bringen, die volle Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen haben. Wir werden uns nicht in einen anderen Hafen umleiten lassen. Wir haben 37 Schiffbrüchige an Bord und sind deshalb nicht der Lage, uns auf irgendwelche Spielchen mit den Behörden einzulassen.</p>
	<p>Es muss eine Lösung in Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsstandards und auf der Basis humanitärer Prinzipien gefunden werden. Die Frage, wie in einer derartige Situation zu verfahren ist, muss auf politischer Ebene der europäischen Union beantwortet werden: Es ist die Politik der EU, gewaltsam ausgeführt durch italienische Küstenwache, Marine und `Guardia di Finanza`, die unser Schiff daran hindert, weiteren Menschen in Not zu helfen. Wir appellieren an alle Europäer &#8211; und vor allem an die Bürgerinnen und Bürger Italiens &#8211; deutlich zu machen, dass eine solche Politik nicht in ihrem Namen vollstreckt wird.</p>
	<p>Wir werden weiterhin soviele Menschenleben retten, wie wir nur eben können. Wir tun dies, weil wir den Tod von hunderten, vielleicht tausenden unschuldigen Menschen im Mittelmeer nicht als europäischen `Normalfall` hinnehmen wollen.</p>
	<p>Wir wünschten, die mächtigen Flotten Italiens, der NATO und anderer würden sich um jene kümmern, die &#8211; namenlos und ungezählt &#8211; schlichterdings irgendwo zwischen den Wellen `verschwinden`. Da die Behörden und Militärs dazu nicht in der Lage sind &#8211; oder keine entsprechenden Befehle erhalten &#8211; ist die Zivilgesellschaft aufgerufen, die Dinge in die Hand zu nehmen.</p>
	<p>Als unabhängige humanitäre Organisation müssen wir unsere Rettungsoperationen schon deshalb fortsetzen, weil es eben niemand sonst tut. Wir brauchen dazu die Unterstützung aller Menschen guten Willens, unabhängig von ihren politischen oder religiösen Überzeugungen.&#8221;</p>
	<p>04.07.04 Elias Bierdel &#8211; Vorsitzender Komitee &#8220;Cap Anamur&#8221; &#8211; <br />
<a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/282523/">Deutschlandfunk &#8211; 5. Juli 2004</a></p>
	<h6>5.7.2004</h6>
	<h6>Odyssee vor der italienischen Küste</h6>
	<p>Interview mit Elias Bierdel, Leiter der Hilfsorganisation Cap Anamur<br />
Moderation: Silvia Engels<br />
Elias Bierdel, Leiter des Komitees Cap Anamur (Foto: Komitee Cap Anamur)</p>
	<p>Silvia Engels: Vor zwei Wochen berichteten wir in den Informationen am Morgen über die Hilfsorganisation Cap Anamur. Sie hatte mit ihrem gleichnamigen Schiff im Mittelmeer 37 Schiffbrüchige aus Seenot gerettet. Diese Geretteten waren afrikanische Flüchtlinge, die in einem kleinen Boot versucht hatten, ein Land der EU zu erreichen und ihr Leben aufs Spiel setzten. Doch mit der Rettung ist ihre Odyssee noch nicht vorbei. Auf dem Flüchtlingsschiff Cap Anamur vor Sizilien erreichen wir den Leiter der Hilfsorganisation Elias Bierdel. Herr Bierdel, die Schiffbrüchigen sind immer noch bei Ihnen an Bord, warum?</p>
	<p>Elias Bierdel: Wir haben am vergangenen Donnerstag versucht, einen italienischen Hafen anzulaufen. Es war der Nächstgelegene von der Fundstelle sozusagen, der Stelle der Rettung aus. Es ist dies der Hafen Empedokle im Süden von Sizilien, wir haben alle Vorbereitungen ordnungsgemäß getroffen. Wir haben angemeldet natürlich, wen wir an Bord haben und zunächst wurde uns auch das Einlaufen in den Hafen zugesichert, dann aber, als wir dort am Donnerstag Morgen so gegen neun Uhr ungefähr an der Seegrenze zwölf Meilen vor der Küste ankamen, da hieß es plötzlich doch Nein, Widerruf, keine Genehmigung in die Gewässer Italiens einzulaufen und was wir dann erlebt haben in den Stunden danach, das war schon etwas wie eine militärische Konfrontation. Hier kamen Kanonenboote, hier kamen Küstenwachschiffe, hier kam Polizei, hier kamen Hubschrauber. Das waren Szenen wie in einem Seekrieg. Dies alles offensichtlich, weil man schlichterdings in Panik verfällt angesichts von 37 Menschen, die hier nach Europa wollen und nach Europa müssen, denn es gibt keine andere Lösung. Es sind Schiffbrüchige bei uns an Bord und wir werden selbstverständlich darauf bestehen, dass wir sie in einen sicheren Hafen bringen können.</p>
	<h6>Engels: Haben die italienischen Behörden denn ihr Verhalten Ihnen gegenüber begründet?</h6>
	<p>Bierdel: Nein, und das empört uns natürlich zusätzlich. Wir haben überhaupt keine Begründung erhalten, wir haben dies immer wieder abgefragt. Da man hier mit uns nicht spricht entnehmen wir nur den Tageszeitungen in Italien oder in den Rundfunkmeldungen, dies ist, Gott sei Dank möchte man meinen, hier in Italien doch ein großes Thema, es wird breit diskutiert und wir entnehmen diesen Zeitungen, dass die Regierung hier offensichtlich Lügen verbreitet. Sie erzählen, diese Flüchtlinge hätten wir in Malta aufgenommen, versuchten sie nun hierher zu schmuggeln und ähnlichen Blödsinn. Die Wahrheit ist natürlich, die Europäische Union hat kein Konzept dafür, was eigentlich passieren soll mit solchen, die man aus Seenot gerettet hat und nun hierher bringt, denn sie stehen einfach nicht mehr auf der Liste derer, die man hier erwartet an den Küsten. Wir wissen alle, es ist ein riesiges Problem, dass Menschen seit Jahren schon versuchen, in kleinen untauglichen Booten aus Afrika kommend versuchen, europäische Gestade zu erreichen. Viele von denen kommen ums Leben, aber die Antwort der Europäischen Union, so wie wir sie hier erleben, die ist nun wirklich unzureichend, nämlich mit Kanonenbooten loszufahren auf diese Leute. Wir haben Schiffbrüchige an Bord, das ist unsere Position und deshalb werden wir alles tun, um für diese Menschen eine Lösung zu erreichen und das kann nur heißen, eine humanitäre Lösung. Für uns sind dies keine Illegalen, denn sie haben gar keine Grenze überschritten und es sind für uns auch keine Asylbewerber, es sind einfach Menschen, die wir aus Seenot gerettet haben, Menschen, um die sich sonst niemand kümmert. Sie würden normalerweise ertrinken und das ist wohl der Grund, warum die italienische Regierung so sehr, sehr heftig reagiert, denn diese hier kommen quasi zu einem Problem hinzu, das man ohnehin schon hat, nämlich die, die es auf merkwürdige Weise glücklich geschafft haben an ihre Küsten.</p>
	<p>Engels: Nun haben wir ja in den vergangenen Jahren auch schon mehrere Fälle gesehen, wo andere Küstenwachenboote dann zumeist Flüchtlinge aus hoher See, aus Seenot gerettet haben. Wieso liegt ihr Fall mit einer Hilfsorganisation anders als die bisherigen Fälle? Warum werden die Flüchtlinge nicht einfach, wie es bislang üblich war, in Auffanglager gebracht?</p>
	<p>Bierdel: Also ich muss Ihnen ganz klar sagen, dass natürlich diese Perspektive und diese Politik auf der Seite der europäischen Union Menschen hier, wenn sie es, wie gesagt, geschafft haben tatsächlich durchzukommen mit ihren Booten sie dann einfach zu internieren, abzukaschen, zu verhaften, nach Möglichkeit schnell wieder abzuschieben, bis sie es vielleicht wieder versuchen und dann doch endlich ertrunken sind, dass wir diese Politik für nicht besonders klug halten und auch nicht für zureichend, wenn man das ganze Problem wirklich betrachtet. Wenn Sie bedenken, dass in den letzten Jahren hier nach offiziellen Zahlen über 5000 Menschen ums Leben gekommen sind allein im Mittelmeer und es sind nicht die einzigen, die an den Außengrenzen der EU ums Leben kommen und wenn man davon ausgeht, dass diese Zahlen wahrscheinlich noch sehr viel höher liegen, Flüchtlingsorganisationen denken, dass es vielleicht das vier- oder fünffache dieser Zahl sein könnte. Das Problem hier ist, niemand hat die gezählt, die abgefahren sind und deshalb weiß auch niemand genau, wie viele dann auch wirklich ankommen. Eins ist klar, dies ist hier das Mittelmeer, das ist so etwas wie ein schwimmender Friedhof geworden. Hier werden die Leichen morgens aufgesammelt von den Stränden. Das ist wirklich ein Zustand, den man nur anprangern kann. Wir als humanitäre Organisation, wir haben ein Schiff, wir versuchen Menschenleben zu retten und wir wundern uns schon sehr, wenn nun die Europäische Union uns hier mit Kanonenbooten entgegentritt, um uns daran zu hindern. Denn während wir hier liegen, erhalten wir ja fortlaufend Meldungen von weiteren Booten, die in Not sind. Und es ist eben nicht so, als würden sich die Küstenwachen der erschiedenen Länder &#8211; Italiens Griechenlands, Spaniens &#8211; darum kümmern diesen Menschen zu helfen . Nein, die Küstenwachen bewachen eben ihre Küsten und das sind die Zwölfmeilenzone im Wesentlichen, darüber hinaus geschieht gar nichts. Ich halte hier eine Meldung in der Hand über ein kleines Boot mit 33 Menschen an Bord, offensichtlich in Seenot &#8211; eine Meldung der italienischen Küstenwache &#8211; mit dem Hinweis, wer Beobachtungen macht, soll bitte die Hafenmeisterei in Tripolis anrufen. Das<br />
haben wir versucht, da geht keiner ans Telefon.</p>
	<p>Engels: Noch einmal, aber der juristische Unterschied zwischen einem neutralen Boot oder einem Boot, das unter deutscher Flagge fährt, wie Sie es sind und der Küstenwache liegt wo? Haben wir hier eine Gesetzeslücke auch neben den tatsächlichen Behandlungen, die Sie erfahren, ist das auch einfach juristisch ein graues Gebiet?</p>
	<p>Bierdel: Also ich muss Ihnen sagen, dass mich solche Finessen natürlich relativ wenig interessieren. Wir tun etwas sehr einfaches. Da ertrinken Menschen und wir sind eine Organisation, die seit vielen Jahren versucht, Menschenleben zu retten &#8211; und auch mit einigem Erfolg &#8211; wir haben ein Schiff, also versuchen wir auch diese, die da eben ertrinken, vor dem Tod zu retten. Das ist das einfache. Das schwierige ist auf der anderen Seiten, wo man eben hineinkommt in eine Sphäre komplexer Rechtssysteme, die allesamt und letzten Endes dazu gedacht sind eben zu verhindern, dass Menschen noch irgendwie hierher kommen können. Das ist eben das, was wir jetzt erleben als Konflikt. Wir haben hier eine Position, die sehr klar ist und wir haben auf der anderen Seite eben findige Juristen, die jetzt versuchen, uns zu begründen, warum man das nicht tun darf. Wir meinen, wer immer uns jetzt aufhält, wer immer verhindert, dass wir weitere Menschenleben retten, der muss dafür die Verantwortung übernehmen.</p>
	<p>Engels: Elias Bierdel, Leiter der Hilfsorganisation Cap Anamur direkt von dem Schiff Cap Anamur, das derzeit mit Flüchtlingen an Bord vor Sizilien liegt. Vielen Dank!</p>
	<p>arbeitskreis asyl göttingen<br />
fon: +49(0)551.58894<br />
fax: +49(0)551.58898<br />
akasylgoe [at] t-online.de</p>


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		<title>Agrigento &#8211; Das lange Warten in Porto Empedocle</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2004 22:02:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienberichte]]></category>

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		<description><![CDATA[ Artikel aus Il manifesto von Luca Fazio Die (Flüchtlings)Organisationen warten auf das Schiff. Aber es landen 70 Afrikaner <p>Luca Fazio</p> <p>In der absoluten Gleichgültigkeit ist das Warten noch aufreibender. Porto Empedocle hat für eine Weile dem Meer den Rücken zugekehrt. Lediglich eine kleine Gruppe von Menschen hat gestern den ganzen Tag am Ufer verbracht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[	<h6>Artikel aus Il manifesto von Luca Fazio</h6>
	<h6>Die (Flüchtlings)Organisationen warten auf das Schiff. Aber es landen 70 Afrikaner</h6>
	<p>Luca Fazio</p>
	<p>In der absoluten Gleichgültigkeit ist das Warten noch aufreibender. Porto Empedocle hat für eine Weile dem Meer den Rücken zugekehrt. Lediglich eine kleine Gruppe von Menschen hat gestern den ganzen Tag am Ufer verbracht um den Horizont im Auge zu behalten (zu prüfen). Das Schiff ist 17 Meilen von der Küste entfernt blockiert, außerhalb der Hoheitsgewässer, zu viele, um sich die Form der Cap Anamur auch nur vorstellen zu können, die Schiffe der Küstenwache von Porto Empedocle haben sie jedoch in Sichtweite. Jemand hat sich entschlossen die Nacht dort am Hafen zu verbringen. Emilia Tornatore von Emergency Sicilia, erlebt ein eigenartiges Gefühl der Isolation, die zerstreuten Blicke der Fischer die sie hin und wieder streifen, so als ob sie einen Marsbewohner sehen würden. Die örtlichen Behörden sind noch weniger überschwänglich. Die Küstenwache_, erklärt sie hat uns gesagt, dass die Ankunft des Schiffs nicht von ihnen abhängt, auch sie warten darauf zu erfahren, was sie tun sollen. Wir versuchen die Erlaubnis zu erhalten, das Schiff zu betreten, das wird nicht leicht werden, da im Fall eines Einlaufens des Schiffs sicherlich Polizei und Sicherheitskräfte da sein werden.</p>
	<p>Auch Fulvio Vassallo Paleologo von Asgi (Associazione studi giuridici sull&#8217;immigrazione) Vereinigung juristischer Studien zur Immigration), gestern Abend in Porto Empedocle um an einer Versammlung teilzunehmen, die einberufen wurde um die Dauer und die Art des Wartens neu zu definieren. Es gab eine Verspätung des Schiffs und die Regierung hat entschieden es nicht in den Hafen einlaufen zu lassen, der Kommandant kann jedoch stets entscheiden wohin er sein Schiff lenkt. Italien, erklärt er, ist nicht verpflichtet das Einlaufen in den Hafen zu genehmigen, aber auch wenn es nicht eine Verpflichtung ist, müsste man die Asylansuchen abwägen. Die Vereinigung Ärzte ohne Grenzen mit Sitz in Ragusa, blieb die ganze Nacht in Alarmbereitschaft, aber man vermutet, dass die Cap Anamur draußen im Meer vor Porto Empedocle bleiben wird. Die Angelegenheit wird in Rom gelöst werden, sagt Giuseppe Mola von Ärzte ohne Grenzen, unser Team ist bereit, wir haben einen Arzt und Sozialarbeiter die Hilfe leisten können, auch wenn das eine nicht alltägliche Situation ist.</p>
	<p>Enrico Montalbano vom Osservatorio permanente sull&#8217;immigrazione di Agrigento (Ständige Beobachtungsgruppe zu Fragen der Immigration in Agrigento) hat schon viele Bootslandungen gesehen, aber dieses Mal ist es anders. Das ist eine ganz neue Situation für alle, sagt er, wir haben die Schiffbrüchigen von Lampedusa im Jahr 2002 aufgenommen, als 70 Personen starben, und haben die Asylansuchen begleitet, aber das ist das erste Mal, dass einige Flüchtlingen auf einem Schiff blockiert sind, das unter der Flagge eines Landes der europäischen Gemeinschaft unterwegs ist.</p>
	<p>Spätabends, es ist kompliziert darüber nachzudenken was getan werden soll, scheint die Situation vollkommen blockiert zu sein, am Hafen sind alle müde und erschöpft. Aber wenn man zu warten weiß, passiert stets etwas an den Küsten Siziliens: um 21 Uhr in Porto Empedocle, unter den Augen der Polizeikräfte kommen aus dem Festhaltelager in Lampedusa 70 Afrikaner. Vermutlich Nordafrikaner. Die Polizei händigt ihnen einen Ausreisebescheid aus und begleitet sie anschließend zum Bahnhof.</p>

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