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Bericht aus Eisenhüttenstadt

Schilderung von M., 19 Jahre aus Afghanistan nach einer Woche im Flüchtlingslager Eisenhüttenstadt:

“Mir wurde gesagt, dass ich nach Eisenhüttenstadt fahren muss. Es war ein Freitag, ich kam am Bahnhof an und ich bin drei Stunden durch die Stadt gelaufen weil ich die Adresse nicht finden konnte. Ich habe mehrere Leute gefragt, aber niemand hat mir geantwortet. Ich kann nicht so gut deutsch, deshalb hat es einfach niemanden gekümmert.
Irgendwann habe ich eine afghanische Familie getroffen, sie wussten wo das Lager ist und haben es mir erklärt
Als ich am Lager ankam war es schon dunkel. Sie haben mir etwas Brot gegeben und Schokolade und ein Laken und eine sehr dünne Decke. Dann haben sie mich in einen Raum gebracht, es sah aus wie im Gefängnis. Ich war schon im Gefängnis in Griechenland, ich weiß wie es dort aussieht. Es gibt kein Schloss für das Zimmer, du bekommst keinen Schlüssel und es gibt keinen Platz wo man seine Sachen rein tun kann, alles ist kaputt, die Heizung ist nicht richtig warm. Das Zimmer war sehr schmutzig und weil man es nicht abschließen konnte wusste ich nicht, wo ich die Sachen lassen sollte wenn ich zur Toilette ging. Ich weiß nicht wie ich es erklären soll, es gibt dort überhaupt nichts schönes oder etwas worüber man sagen könnte: das ist gut.

Ich hatte nachts starke Magenkrämpfe und es ging mir schlecht. Am nächsten Morgen zum Frühstück konnte ich nichts essen. Ich wollte mir das Essen mitnehmen und es später essen, wenn es mir besser ging. Aber sie haben mir gesagt es ist verboten Essen mitzunehmen. Entweder du isst hier oder du isst eben nicht. Das war mein erster Tag dort,nachdem ich vorher drei Stunden gelaufen bin und die Adresse gesucht habe. Niemand interessiert sich für Dich. Ich sagte, ich habe eine Blase am Fuß vom Laufen, gibt es eine Erste Hilfe Stelle oder einen Doktor. Aber am Wochenende gab es niemanden der mir ein Pflaster geben konnte. Es gibt nur die Sicherheitsleute dort und die Köche in der Kantine. Niemanden den man etwas fragen kann. Das ist hier kein Ort zum Leben, hier wird man nur festgehalten.

Am nächsten Tag habe ich andere Afghanen getroffen. sie haben mir gesagt, dass ich mir ein anderes Bett suchen kann. Man kann dann zum Büro gehen und sagen: Ich bin jetzt in diesem Zimmer. Das Zimmer indem ich zuerst war ist das wo alle erst mal hinkommen. Jeder kennt es und jeder hat die gleiche schreckliche erste Nacht dort erlebt.
Jetzt bin ich wieder in einem Zimmer mit acht Betten aber ich habe wenigstens einen Schlüssel. Aber die Schränke kann man auch dort nur abschließen wenn man sich ein eigenes Schloss besorgt.

Ich musste dann zum Arzt zum Röntgen. In der Krankenstation war eine Frau die die Untersuchungen gemacht hat . Sie hat alle Leute immer angeschrien. Sie hat niemandem zugehört. Als an der offenen Tür ein paar Leute standen, die zu ihr wollten hat sie immer: “Zurück, zurück” gerufen und mit der Hand gewedelt als würde sie mit einer Herde Schafen reden. Sie war sehr unfreundlich und hat nur im Befehlston geredet. Wenn jemand versucht hat zu erklären oder wenn Frauen geweint haben, wurden sie sofort laut und ungeduldig. Sie war sehr respektlos.

Das Wachpersonal sagt immer: Rede Deutsch, wir sind hier in Deutschland. Aber ich kann noch kein Deutsch, die meisten anderen auch nicht. Wir sind erst kurz hier und es gibt auch für die die schon länger hier sind keinen Deutschunterricht.
Ich habe mittlerweile mit vielen anderen gesprochen. Zum Beispiel sind hier zwei iranische Männer, beide gehörlos. Sie sind seit 5 Monaten in Eisenhüttenstadt. Weil es keinen Übersetzer für sie gibt hatten sie auch noch keine Anhörung. Sie werden jetzt umverteilt, wohin weiß ich nicht.

Man kann nicht selbst Wäsche waschen man muss es ihnen bringen. Dann wird alles zusammen gewaschen. Die meisten mögen das nicht weil sie nicht wissen mit welcher Wäsche das dann zusammenkommt und wollen sicher sein, dass es richtig sauber wird. Deshalb waschen wir es selbst im Waschbecken in dem Duschräumen.

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